Wie viel Schlaf braucht ein junger Mensch, um nicht völlig durch den Wind zu sein? Das darf ich im Moment herausfinden. Eigentlich soll in diesen drei Wochen ein physikalisches Praktikum stattfinden. Ich glaube aber, es handelt sich um einen verdeckten medizinischen Belastungstest mit möglichst breiter Zielgruppe. Deswegen findet das ja auch außerhalb jeder Öffentlichkeit draussen in Bahrenfeld statt, direkt an der Forschungsstelle für das UKE-Zyklotron. Seit Donnerstag läuft diese Maßnahme, und sie hat durchschlagenden Erfolg. Seit Donnerstag bin ich jeden Abend nicht vor halb zwei im Bett. Dafür Ausschlafen? Pustekuchen. Spätestens um 9 ist Feierabend, meistens allerdings früher. Klingt nicht schlimm, sagt ihr? Probiert mal, das drei Wochen lang durchzuhalten.
Erste Symptome: Verlust von Sehschärfe und Feinmotorik (saubere Schrift? Bei mir eh nicht und übermüdet schon überhaupt nicht.) Jetzt im Moment brennen meine Augen, ich habe eine extrem verlangsamte Reaktion und frage mich alle zwei Minuten, ob ich nicht was vergessen habe - aus der U-Bahn auszusteigen, umzusteigen, was zu erledigen, irgendwas. Meine Aufmerksamkeit hat auch stark nachgelassen: Erst im fünften Stock habe ich gemerkt, dass meine Zimmernachbarin im gleichen Fahrstuhl war, in den ich auch im Erdgeschoß eingestiegen bin ... Und es ist erst ein Viertel der Arbeit erledigt, wenn es hoch kommt. Aux Armes!
Danke für einen fantastischen Abend.
Freitag war ich auf dem Weg nach Hildesheim, und da mensch ja nicht in aller Herrgottsfrühe aufstehen mag, kam ich pünktlich zum Feierabendverkehr nach Hannover. Wer sitzt mir gegenüber? Die gleiche traurige Person, mit der ich auf dem Weg zur Uni Hannover jeden morgen den Weg teilte. Das gleiche leere, nur von Schminke zusammengehaltente Gesicht, die gleichen - natürlich jetzt neu der Mode angepasst - Tussenzickenklamotten, Hauptsache auf der Höhe-der-Zeit, und immer noch der hohle und wirklich ausgelaugte Blick. Der reinste Roboter.
Mir gegenüber, das könnte ihr Mann sein: Mitte/Ende 40, Werkstattarbeiter, Elektriker, irgend sowas. Overall, eingefallenes Gesicht, Falten und Ringe unter den Augen - und das Bier aufgemacht, kaum dass er Platz genommen hatte. Dann das ultimative Gespräch per Telefon, er rief wohl an.
"Hallo, ich bins"
...
"Wo bist Du gerade, im Schaltraum?"
...
"Mhm, tu mir mal einen Gefallen, geh ma in die Zentrale."
...
"Guck ma den Schaltschrank. Leuchtet da das rote Licht?"
...
"Blinkt, mhm. Den dritten von links, schalt mal."
...
"Blinkt immer noch- Scheißegal. Mach aus die Chose."
...
"Ja, das funkt immer beim Schalten. Da sind auch 40 Ampere mehr drauf als sein sollen. Darf eigentlich gar nicht sein. Scheißegal."
...
"Mach einfach alles aus, denk nur an den Bewegungsmelder vorne. Den musst Du auch ausmachen, sonst geht um elf der Alarm los und halb zwölf ruft der Chef dann bei mir an."
...
"Mhm"
...
"Ja, das ist Egal, dann mach den ach aus. Ich glaub nicht dass da diese Nacht jemand einbricht. Mach den ganzen Alarm aus, sonst bringt mich der Chef morgen um."
...
"Ja, danke, ich liebe dich auch."
Ich dachte ja,
solche Fehlermeldungen würden
mir nicht mehr begegnen. (Man beachte die Auswahlmöglichkeiten als Antwort auf die Fragestellung!)
Tja. Falsch gedacht.
Hamburg, 8°, Regen - selten hat es so sehr gestimmt wie heute. Seit 20 Stunden Dauerregen. Das haben wir schon länger nicht gehabt.
3 Spiele - 3 Punkte - 3 geschossene Tore. Das alte Problem: Es hakt im Sturm. Heute an der Lohmühle nach dem was der Ticker so sagte zwar besser und engagiert, aber vorn harmlos. Stendel verletzt, Luz nicht effektiv, Mazingu unberechenbar. Meggle zwar ab und zu an der richtigen Stelle, aber irgendwie auch nicht die Patentlösung, als die er auf seien alten Tagen zurück ans Millerntor geholt wurde. Ganz zu schweigen von Gerdl. Deutscher Meister 2009 - das wird verdammt schwer!
Und sonst? Halsschmerzen nerven, und zwar sehr. Immerhin wird das im Tagesverlauf besser, angenehm ist trotzdem was anderes. Mistwetter ist dazu auch noch - Mitte August, und schon Herbst? Krasses Jahr voller Extreme - erst Mitte März noch Tiefschnee, dann die heftige Hitzewelle und durchgehend Wüstenartige Verhältnisse hier, und jetzt plötzlich viel zu früh der Herbst. Ist doch alles doof.
Immerhin sind Ferien, aber auch die neigen sich dem Ende zu ... Arbeit, Arbeit, Arbeit Lernen, Lernen, Lernen steht dann auf dem Programm. So ein Vordiplom kriegt man ja auch nicht geschenkt. Und schon ist man wieder teil von dem großen ganzen, dem "System" und der "Gesellschaft." Was für tolle Revoluzzer wir doch sind, die wir Punkrock hören, wüste aussehen und uns die Haare bunt färben...
"Wer zur Hölle seid ihr und was seid ihr nicht?"
(unpolitisch, lautlos und bequem)
(Bitume, Plasticanten)